1945 bis 1989 in AZ-Fotos
Hier finden Sie Fotos der AZ-Fotografen Walter Henisch, Vater und Sohn, zu prägnanten Ereignissen. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Walter Henisch (sen.) u.a. als Pressefotograf für die AZ, von 1962 bis 1973 als fest angestellter Fotograf der AZ. Sein Sohn arbeitete von 1972 bis Anfang der 1980er Jahre ebenfalls als Fotograf für die AZ.
Quelle: ©Verein der Geschichte der ArbeiterInnenbewegung (VGA), AZ-Bildarchiv, Fotografen: Walter Henisch sen. und Walter Henisch jun.
1945
Schwarzmarkt
Sowjetrussische Soldaten beobachten das Treiben am Schwarzmarkt, der zwischen den geschlossenen Marktständen des Naschmarkts floriert. Die Menschen versuchen hier, ihre kärglichen Rationen aufzubessern oder Zigaretten zu bekommen.
1947–1950
Russland-Heimkehrer
Eine Gruppe von vorwiegend Frauen wartet auf Ankunft eines Zuges mit Heimkehrern aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Erst im Juli 1956 kamen die letzten österreichischen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion zurück.
1948
Wiener Künstlerhaus
Ein Paar besucht die Eröffnung einer internationalen Plakatausstellung im Wiener Künstlerhaus. Das im Zweiten Weltkrieg geschlossene und gegen Kriegsende beschädigte Künstlerhaus stellte seit 1946 wieder aus.
Um 1950
Die alliierten Besatzungsmächte in Wien
Fünf Besatzungssoldaten stehen vor einem Jeep mit US-amerikanischer Aufschrift. Das Foto wurde vermutlich im 1. Wiener Gemeindebezirk aufgenommen, der von den vier Besatzungsmächten gemeinsam verwaltet wurde.
1954
Großbaustelle Südbahnhof
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden der alte Südbahnhof und der nebenan gelegene Ostbahnhof, die beide schwer beschädigt worden waren, durch einen gemeinsamen Großbahnhof auf demselben Gelände ersetzt. 1959 wurde der neue Südbahnhof eröffnet.
1955
Österreichischer Staatsvertrag
Am 15. Mai 1955 unterzeichnen die Außenminister der Besatzungsmächte und die österreichische Regierung den Staatsvertrag im Schloss Belvedere. Der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw M. Molotow, in der Mitte, unterzeichnet gerade, neben ihm sitzt Leopold Figl.
1955
Ende der Besatzungszeit
Die sowjetischen Besatzungssoldaten ziehen im September, mit Blumen in den Händen als Abschiedsgruß, aus Österreich ab. Bis Ende Oktober 1955 verließen dann auch die letzten verbliebenen westlichen Besatzungssoldaten Österreich.
1956
Das neue Bundesheer
Die ersten Präsenzdiener des neuen österreichischen Bundesheeres rücken im Oktober 1956 ein, im Mercedes-Taxi. 1955 war das erste Wehrgesetz mit Festlegung der allgemeinen Wehrpflicht verabschiedet worden.
1956
Ungarischer Volksaufstand
Im Oktober 1956 protestierten Studierende in Budapest friedlich für Freiheit, Demokratie und Unabhängigkeit. Daraus entstand ein Volksaufstand gegen das kommunistische Regime und die sowjetische Besatzung, der von sowjetischen Truppen mit Gewalt niedergeschlagen wurde.
1965
Werbung für österreichische Traditionsmarken
Seit den 1950er Jahren sorgte Palmers mit seiner Unterwäschen-Werbung und dem darin vermittelten sexualisierten Frauenbild immer wieder für Diskussionen. Eskimo, seit den 1960er Jahren Teil des Unilever-Konzerns, versorgte hingegen weitgehend unbestritten Generationen mit Jolly, Twinni und Cornetto.
1966
1. Mai in Wien
Kundgebungen und die Menschenmenge auf dem Rathausplatz prägen traditionell den 1. Mai in Wien. Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde aus dem unter den Nationalsozialisten umgewidmeten Feiertag wieder ein Staatsfeiertag für ganz Österreich, der als „Tag der Arbeit“ besonders von den Sozialdemokrat:innen gefeiert wird.
1966
Die ersten Polizistinnen
Polizeischülerinnen machen einen Ausflug in Uniform zum Schloss Schönbrunn. 1965 hatten sie den neuen zweijährigen Grundausbildungslehrgang für Polizistinnen angetreten, den sie 1967 abschlossen. Die ersten Polizistinnen wurden dann vor allem in der Parkraum-Überwachung eingesetzt.
1968
Prager Frühling
Tschechoslowakische Autos warten vor einer Hilfsstelle in Wien. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings durch Truppen des Warschauer Pakts flohen Ende August 1968 zahlreiche Menschen aus der Tschechoslowakei nach Österreich.
1969
Die Queen in Wien
Queen Elizabeth und Prince Philip werden am 5. Mai 1969 bei ihrer Ankunft zum Staatsbesuch in Österreich von Bundespräsident Franz Jonas empfangen. Die erkrankte Prinzessin Anne kommt zwei Tage später nach. Bis 10. Mai besucht die königliche Familie Wien, Innsbruck, Graz und Salzburg.
1970
Nationalratswahlen als Wendepunkt
Bei den Nationalratswahlen 1970 wurde die SPÖ mit ihrem Spitzenkandidaten Bruno Kreisky erstmals stärkste Partei mit 48,42 % der Stimmen, die ÖVP unter Josef Klaus erhielt 44,69 % und die FPÖ 5,52 %. Das beendete die langjährige Dominanz der ÖVP und bedeutete einen Wendepunkt in der österreichischen Politik.
1970
Beginn der Ära Kreisky
Der neue Bundeskanzler Bruno Kreisky auf dem Weg vom Bundespräsidenten zum Ballhausplatz, neben ihm Rudolf Häuser, Vizekanzler und Sozialminister. Kreisky bildete zunächst eine Minderheitsregierung, mit Duldung der FPÖ. Bis 1983 blieb er Bundeskanzler von Österreich.
1972
Gratisschulbücher
Die Einführung der österreichweiten Gratisschulbuchaktion ermöglicht allen Schüler:innen Österreichs das Lernen mit eigenen Büchern. Die Buchgutscheine werden erstmals über die Schulen verteilt und in den Buchhandlungen eingelöst. Der Andrang ist entsprechend groß.
1973
Konzert im Wiener Jazzland
1972 eröffnet, ist das Wiener Jazzland bis heute eine Wiener Institution. Im historischen Ambiente unter der Ruprechtskirche treten seit mehr als 50 Jahren nationale und internationale Jazzmusiker:innen auf, darunter Legenden wie Joe Zawinul, Bill Ramsey oder Sheila Jordan.
1973
Sowjetischer Ministerpräsident Kossygin in Wien
Beim Staatsbesuch des sowjetischen Ministerpräsidenten in Wien betonen Gastgeber Bundeskanzler Bruno Kreisky und Alexej Kossygin das freundschaftliche Verhältnis der beiden Länder.
1975
Kreisky und Gratz am 1. Mai
Bundeskanzler Bruno Kreisky hält seine Ansprache zum 1. Mai auf dem Wiener Rathausplatz. Neben ihm steht Leopold Gratz, der von 1973 bis 1984 Bürgermeister von Wien war.
1975
TV-Diskussion Kreisky und Taus
Aus der TV-Konfrontation zwischen Bruno Kreisky und ÖVP-Obmann Josef Taus vor den Nationalratswahlen ging der Bundeskanzler eindeutig als Sieger. Taus erklärte das später so: „Wenn einem als Fachmann … ein komplizierterer Satz herausrutscht, ist das egal. Da glauben die Leute, das ist ein guter Fachmann. Wenn man den gleichen Satz in einer politischen Diskussion sagt, ärgern sich die Leute, weil sie in einer politischen Diskussion gar keine Sachlichkeit erwarten. Das hat Kreisky genau gewusst.“ (Der Standard, 21.1.2011)
1977-1978
Proteste gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf
Die überparteilichen Proteste gegen das Atomkraftwerk in Zwentendorf, das 1978 in Betrieb hätte gehen sollen, führten zur Volksabstimmung am 5. November 1978. Diese endete mit einem knappen Ergebnis gegen das Atomkraftwerk. Kreisky, der im Fall einer Ablehnung seinen möglichen Rücktritt in den Raum gestellt hatte, blieb im Amt und akzeptierte das Ergebnis als endgültig.
1979
Eröffnung UNO-City in Wien
Möge die UNO-City ein „Symbol für die Entspannung in Europa, für den Frieden in der Welt“ sein, hoffte die AZ. Zur Eröffnung am 5. August 1979 reisten Gäste aus aller Welt an. Neben New York, Genf und Nairobi ist Wien seither einer der vier Hauptsitze der UNO und beherbergt u.a. die IAEA, die internationale Atomenergie-Organisation.
1960–1980
Kontroverse um zweisprachige Ortstafeln in Kärnten
Bereits im Staatsvertrag wurde die Aufstellung von zweisprachigen Ortstafeln in gemischtsprachigen Gebieten Kärntens festgelegt, um die Rechte der slowenischen Minderheit zu sichern. Aufgrund von Protesten und Störaktionen deutschsprachiger Kärntner:innen kam es zu jahrelanger Verzögerung. Viele Tafeln, die Anfang der 1970er aufgestellt wurden, wurden zerstört. Erst 2011 kam es zu einer Einigung.
1981
Interview mit PLO-Führer Arafat
AZ-Herausgeber Albrecht K. Konecny interviewte PLO-Führer Yassir Arafat im September 1981 in Beirut, wo dieses Foto aufgenommen wurde. Im Gespräch betonte Arafat auch seine Dankbarkeit gegenüber Bundeskanzler Bruno Kreisky. Dieser hatte ihn 1979 als erster westlicher Regierungschef offiziell empfangen. Kreiskys Dialog mit der PLO war zwar international sehr umstritten, machte aber Österreich zu einem wichtigen Ort der Nahost-Diplomatie.
1984
Besetzung der Hainburger Au
Gegen den geplanten Bau eines Donaukraftwerkes in der Hainburger Au formierte sich ab Herbst 1984 massiver Widerstand von Umweltschützer:innen, Student:innen, Wissenschafter:innen, Künstler:innen und Bürgerinitiativen. Im Dezember 1984 besetzten tausende Protestierende friedlich die Au und setzten sich vor die Bagger. Zwar räumte die Polizei das Besetzungsgelände gewaltsam, aber die Proteste konnten das Kraftwerk dennoch verhindern.